Miezes moderner Mundtod
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Der Wellen Nostalgie
Manchmal, wenn ich an dich denke, zerspringt mein Herz wieder in Tausend kleine Glassplitter. Ich glaube nicht, dass ich so etwas je zuvor gespürt habe. Es tut verdammt weh, einen so tiefen Einschnitt zu machen, aber es muss sein, ich sterbe sonst ab. Innerlich, als explodierte eine Atombombe in meinen Gedärmen und verteilte mich häppchenweise in der Landschaft. Aber es muss sein, ich muss dich vergessen. Meine Augen fangen an zu tränen, wenn ich dich sehe, du bist ein bösartiges Gas, das die Menschenrechte mit Füßen tritt. Ach, sieh her, ich schreibe schon wieder nur über dich, obwohl ich das nie wieder tun wollte eigentlich. Mein Rückzug ist mir eine überlebenswichtige Gasmaske, die ich mir gerade im letzten Moment noch aufs Gesicht schnallen konnte. Es ist schon ein blödes Gefühl, bereits jetzt zu wissen, dass man Silvester bestimmt allein verbringen wird, weil man nichts mit den anderen wird unternehmen wollen, weil das bedeuten würde, dich wiedersehen zu müssen. Mit ihm am Händchen womöglich. Und jedes verdammte Mal, wenn ich den Drang verspüre, wieder in deinen Blog zu schauen, muss ich mich bezwingen, muss meine tremolierenden Fingerchen von der Tastatur entfernen und mir gedanklich einen anständigen Tritt in die Eier verpassen, weil ich das nicht tun darf. Weil ich mir sonst wieder Hoffnungen mache. Dinge zwischen den Zeilen zu erkennen glaube, die einfach nicht existent sind. Ich dachte immer, wir seien Freunde, Weggefährten. Unzertrennlich wie Dick und Doof oder David Hasselhoff und sein albernes sprechendes Auto. Dummerweise ist die Wahrheit, dass du meine persönliche Femme Fatale bist. Warum gebe ich nicht eigentlich denjenigen Mädchen eine Chance, die es verdient hätten, weil sie ehrlich und nett und liebevoll sind? Warum ist es immer die lieblose Emily Strange, die mein Blut in Wallung bringt? Warum halte ich diese Art Mensch für wertvoller? Und wie blöd ist das eigentlich? Vielleicht musstest du in mein Leben treten, damit ich verstehe und dann am Ende unserer Geschichte wie in einer schlechten Sitcom eine Quintessenz aus dem Ganzen ziehen kann. Endlich habe ich die Tatsache akzeptiert, dass du, obwohl du ein unauslöschlicher Teil von mir bist, nicht mein Verhängnis bist. Dass es weitergeht ohne dich. Dass ich wieder Spongebob sehen kann, ohne sofort eine Träne im Knopfloch zu haben. Möglicherweise wird alles besser und schöner, als es mit dir jemals war. Irgendwann, wenn ich ganz alt bin, schreibe ich unsere Geschichte an eine große kahle Wand und predige weise Dinge. Nur um dann lächelnd mitanzusehen, wie unerfahrenen Jungmenschen die gleichen dummen Fehler begehen wie du und ich, weil das einfach zum Leben dazugehört und alles andere wohl auch ziemlich nutzlos und dumm wäre. Herrje, wie schwierig es ist, dich auszutreiben, ich fühle mich an den Exorzisten erinnert. Aber irgendwann werde ich die letzten Stücke unserer Geschichte ausgekotzt haben. Alles, was bleibt, wird rein und stärkend auf die in meinem Körper herumwuselnden Zellen wirken und den Glauben an eine echte Liebe wachsen lassen. Jetzt in diesem Moment fühle ich für dich wie der Erzähler aus "Amras" für "seinen" Walter; damit will ich sagen: Hassliebe. Weißt du, es wäre gar nicht so schlimm gewesen, wenn es sich so verhielte, wie du mir erzähltest. Es wäre nicht schlimm, dass du nicht mit mir zusammen sein kannst, weil das mit keinem mehr für dich möglich ist. Aber ich verstehe nicht, warum du mich angelogen hast.
Jetzt habe ich Heimweh. Ich gehe am Gestade meines Ichs spazieren. In den Wellen schlummern friedlich die Gesichter der Menschen, die mich verlassen haben, die gehen mussten. Die Sonne geht unter, der Aderlass ist geglückt; ich bin glücklich wie selten zuvor in meinem Leben. Als mich die Sterne mit mütterlicher Fürsorge endlich zudecken, flüstere ich den Wellen zu, dass ich ihnen verzeihe...
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Wintergeschichten
Ich habe eine besondere Gabe. Es verhält sich nämlich so, dass ich auf Geisteskranke, Grenzdebile und Irre aller Couleur eine nahezu magische Anziehungskraft zu haben scheine. Aktuelles Beispiel: Am heutigen Morgen setzt sich eine vor den ekligen Tentakeln der Schule flüchtende Miezekatze ganz friedlich auf einen Platz ihrer Wahl im Bus. Irgendwann steigt ein alter Kauz ein und mustert die Mieze auf sehr ungewöhnliche Art und Weise. Aber na ja. Natürlich quatscht mich der Greis an.
"Ich war in Monte Carlo."
Die Mieze entstöpselt sich und schaut sehr sehr ungläubig in des alten Mannes Äugelein. Manchmal bin ich mir nicht einmal sicher, ob das Gebrabbel des Mannes überhaupt in der deutschen Sprache verfasst ist. Während er auf mich einquatscht, entwickle ich einige Theorien, worüber dieser Kerl eigentlich redet. Mit den Händen, die er mir immerzu vorzeigt, hält er ein imaginäres Gewehr, fingierte Salven dabei abfeuernd. Ahhh, Kriegsgeschichten. Mir kommt der Verdacht, dass er ausgerechnet mich als Publikum seines Blödsinns erwählt hat, weil ich meinen kuscheligen schwarzen Militärmantel trage. Im Verlauf des Gesprächs zeigt er mir noch drei Euro und eine Uhr. Alles klar. Irgendwie bin ich froh, dass ich noch lebe und nicht mit aufgeschlitzter Kehle in einem schäbigen Hauseingang liege.
Die Mieze geht jetzt zum Italiener um die Ecke. Er hat mir Spaghetti hingestellt - hoffentlich...
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Miezes modernes Miau
"Ich bin jetzt mit T. zusammen." Ach so. Verstehe. Mein Lieber, ich würde dir gerne die Zähne ausschlagen und dir die Kotze aus dem Schädel prügeln mit Schlagringen, mag da man einer denken in solch einem Moment, aber weißt du was? Du bedeutest mir nichts, weniger als nichts, deswegen hasse ich dich auch nicht dafür. Jetzt sitze ich hier und hoffe, dass es kaputt gehen wird. Nicht unbedingt deswegen, weil ich mir erhoffe, dass das mit T. und mir noch mal was werden könnte, sondern eigentlich eher deshalb, weil ich dich, T., bestimmt noch liebe. Und in diesem Moment ist eine kleine Traumwelt kümmerlich zusammengebrochen. Wurde eingerissen mit Katapulten des Lächelns und Geschossen der Lieblosigkeit. Ich will halt nicht, dass du dich selbst belügst. Aber alles in allem finde ich das zwischen euch lachhafter als Gunter Gabriel in Reizwäsche. Gleichzeitig bleibt mir das Lachen im Halse stecken. Weißt du, wie weh das tut? Und ich stehe dümmer da als jemand, dem ein Böller in der Hand explodiert ist. Du bist in mir explodiert, hast deine abstinenten Gefühle in mich reingekotzt. Du hast dein Schweigen herausmenstruiert; und ich musste die Scheiße später aufwischen. Am liebsten würde ich dir Sprengstoff in alle Körperöffnungen schieben und die Show genießen. Und zwar aus Liebe.
Ich will so etwas wie einen Schlussstrich. Dich nicht mehr sehen am Wochenende, weil es so unendlich wehtut. Ich fühle mich wie der Typ aus Quake 4, der bei vollem Bewusstsein zerlegt und in einen Strogg verwandelt wird. Kurzschlussreaktion? Ja. Und die sind generell ziemlich scheiße. Also werde ich warten mit meinem Schlussstrich? Hmmm, warum eigentlich? Ich glaube, ich habe mich in letzter Zeit so exzessiv verletzt, dass vermutlich selbst ein hochgradig Autoaggressiver darüber staunen würde. Warst du mir eine Ersatzklinge? mag sein. Aber ich will dem ein Ende setzen. Ich will dich nicht als gute Freundin. Ich will dich nicht als Erinnerung. Ich will dich nicht. Nicht mehr. Ich will dich vergessen. Endgültig. Die letzten Monate waren die Hölle mit einem Schuss Schlagsahne. Noch immer habe ich dieses dumme Gefühl, dass wir das beste Paar der Welt abgegeben hätten, aber das denkt man wohl immer. In Wahrheit wolltest du mich doch nie. Und weißt du was? Jetzt werde ich etwas Außergewöhnliches tun. Ich hole mir meine Würde zurück. Gib sie mir wieder, Leopardenwesen. Irgendwie schaffe ich das. Ich bin doch nicht dein scheiß Nintendog. Was würde ich tun, wenn du angekrochen kämest? Und sagen würdest, du willst mich. Dass das ein Fehler war. Was würde ich tun? Vermutlich butterweich werden würde ich. Sagen, dass ich nur dich will. Immer nur dich wollte. Aber weißt du was? Das ist vorbei. So seltsam das klingen mag: das alles hat mich zutiefst inspiriert. Die glücklichste und gleichsam deprimierendste Zeit meines Lebens; ich gebe die Erinnerung nicht her. Weil das, was man im Zustand tiefen Schmerzes oder Glücks schreibt, mehr taugt als solches, das der Leere erwuchs. Aber eigentlich sollte ich dir danken. Danke dafür, dass du mein Herz gefressen und ausgespuckt hast. Danke dafür, dass du meinem Optimismus den Schwanz reingesteckt und ihn vergewaltigt hast, bis die inneren Organe zerfielen zu lauter Sternenstaub. Danke dafür, dass du diese lieblose kalte Masse Fleisch bist, die ich so vergöttert habe. Danke dafür, dass du mich nicht liebst. Danke für dieses misslungene Intermezzo.
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